Von Beat Metzler via Tagesanzeiger
Nach langen Verhandlungen konnten sich die Stadt Zürich und die Freestyler auf das Design der Freestyle-Anlage auf der Allmend Brunau einigen. Im Herbst 2012 wird sie fertig gebaut sein.

Visualisierung aus dem Jahr 2010: Der Freestyle-Anlage auf der Allmend Brunau ging langes Warten voraus, 2012 sollen die Betonelemente fertig sein.

Die Bärte sind mittlerweile bis zu den Knien gewachsen. Doch der Rasurtermin rückt näher, denn jetzt ist es fix: Der Skatepark auf der Allmend wird im Herbst 2012 stehen. Dann endet das über zehnjährige Warten, das die Zürcher Freestyler mit ihrer Bartwuchs-Plakat-Kampagne beklagten.
Einer Kampagne, die äusserst erfolgreich war: Über 70 Prozent der Zürcher stimmten im letzten Juni für die Freestyle-Anlage und gegen die Initiative «Freie Allmend». Der Park werde schon im Herbst dieses Jahres stehen, kündete Stadträtin Ruth Genner (Grüne) kurz darauf an. So schnell gings dann doch nicht; bis jetzt sind auf der Allmend keine Baumaschinen angerollt.
«Die Bewilligung ist erteilt. Momentan läuft das Ausschreibungsverfahren. Im Herbst beginnen die Arbeiten, die rund ein Jahr dauern werden», sagt Annina Keller, Sprecherin von Grün Stadt Zürich.
Skater kritisierten die Stadt
Die Verzögerung hängt mit Unstimmigkeiten zwischen Stadt und Skatern zusammen. Diese kritisierten die Detail-pläne, welche die Verantwortlichen für den Street-Bereich vorlegten. Die Skater wünschten sich einen offenen Ort, der Situationen in realen Städten nachempfunden sein sollte. Als Referenz diente etwa der Love-Park im Zentrum Philadelphias, ein Platz voller Treppen und Bänke, der sich in den Neunzigerjahren zu einem Hotspot des weltweiten Street- Skatings entwickelte.
Die Allmend-Pläne, «eine dichte Ansammlung von Rampen», verfehlten laut Skatern dieses Ideal. Was auch daran lag, dass die Planung zwei Jahre lang unter Ausschluss der bis anhin beteiligten Freestyler lief. Als der Baubeginn näherrückte, wehrten sich diese mit einer Unterschriftensammlung und forderten die Stadt auf, die Entwürfe anzupassen. In der Folge trafen sich alle Beteiligten zu mehreren runden Tischen, bis sie sich kürzlich geeinigt haben. «Wir konnten unsere bisherigen Ideen wieder einbringen und sind zufrieden», sagt Manuel Gschwend, der die Zürcher Skater bei den Verhandlungen vertreten und mehrere Entwürfe mitgestaltet hat. Die Anlage werde dem hohen Niveau des Zürcher Street-Skateboardings gerecht. Immerhin lebten hier mehrere der europaweit besten Fahrer. Auch die BMX-Fahrer kämen auf ihre Kosten. Bei der Stadt teilt man diese Einschätzung. «Wir haben alle schwierigen Punkte gelöst, unter anderem die Entwässerung», sagt Annina Keller.
8000-Quadratmeter-Zonen
«Solche Diskussionen im Vorfeld sind normal», sagt Erwin Rechsteiner. Rechsteiner ist Gründer der Thurgauer Firma Bowl Construction AG, die in 14 Jahren 46 Skateparks gebaut hat, etwa in München, Wien oder Sarnen. Und jetzt in Zürich. «Es wird ein toller, sehr Street-naher Platz», sagt Rechsteiner. Von weitem sehe die Anlage wie ein Park aus, Bäume, Wiesen und Bänke umgeben die 8000 Quadratmeter grossen Skatezonen. In der Mitte der Anlage, deren Benutzung gratis ist, steht ein kleiner Pavillon. Bau und Planung kosten 4,5 Millionen Franken. «Das ist nicht viel», sagt Rechsteiner, «nach Fertigstellung braucht der Betonplatz fast keine Wartung mehr.»
Aktuelle Visualisierungen gibt es keine. Die Dimensionen und die Höhenunterschiede sind seit der Baueingabe gleich geblieben. «Wir haben nur Details geändert. Es hätte sich nicht gelohnt, das nochmals optisch darzustellen», sagt Annina Keller. Bisher stellt die Stadt an vier Orten Rampen für die Zürcher Freestyler bereit: in einer Halle in der Grünau, auf der Hohlstrasse neben der Bäckeranlage, am Letten unter der Kornhausbrücke und auf der Landiwiese. Diese Anlagen werde man im gleichen Ausmass weiterführen, sagt Annina Keller.
Die Rampen unter der Kornhausbrücke, die wegen der letztjährigen Baustelle abgerissen wurden, ersetzt die Stadt allerdings nicht. Und die Betonelemente auf der Landi-wiese türmen sich oft unbefahrbar am Rand, wenn auf dem Teerplatz gerade der Zirkus Knie oder das Theater Spektakel gastiert. Die Skater wissen sich aber auch selber zu helfen. In der Nähe der Allmend haben einige so genannte «D.I.Y»-Rampen (Do-It-Yourself) aus Beton gebaut. Und auf dem derzeit brachliegenden Hardturm-Areal planen Skater und Künstler, einen Beton-«Bowl» zu erstellen.
(Tages-Anzeiger)

